
Hier das Video, das wir auf Sizilien auf den Zitrusplantagen aufgenommen haben:
Sizilienurlauber kennen den wunderschönen Anblick eines blühenden Zitronenbaumes samt reifen Früchten. Die Limonenblüten sind weiß bis rötlich, die Früchte in unreifem Zustand silbrig-grün und in reifem Zustand grün bis gelb. Entgegen der landläufigen Meinung können grüne Zitronen sehr wohl reif sein: “Verdelli”-Limonen etwa sind keineswegs unausgereift. Giuseppe: „Die Farbe ist von der Umgebungs-Temperatur abhängig und sagt nichts über den Reifegrad aus. Gelb werden die Zitronen, wenn die Nächte kühler sind. Deshalb gibt es im Sommer keine gelben Zitronen aus Italien.“

Die Zitrone ist reif, wenn die Schale glänzt und auf Druck leicht nachgibt — auch wenn sie grün ist. „Gerade der Gehalt an Säure sowie Sanftanteil, Aroma und Duft sind im grünen Zustand der Früchte ausgezeichnet“, meinen die beiden Kenner. Zwar können Zitronen im Kühlraum dazu getrieben werden, sich gelb zu färben - die Campisis aber ziehen es vor, ihre Früchte unverfälscht anzubieten.
Einzig beim Glanz wird etwas nachgeholfen: Um die Leuchtkraft zu steigern, werden die Zitronen gewaschen und gebürstet, nicht aber gewachst oder chemisch behandelt. Durch den Verzicht auf chemische Hilfsmittel sind die Früchte zwar empfindlicher, aber natürlich auch gesünder.
Für Giuseppe sind Zitronen ohnehin „wahre Medizin“: Das saftige, blassgelbe Fruchtfleisch enthält u.a. organische Säuren, in erster Linie Zitronensäure und ist neben den Vitaminen der B-Gruppe reich an Vitamin C. Ihr Saft wirkt appetitanregend, bakterientötend, fiebersenkend und kann bei Vitamin C-Mangelerscheinungen helfen. Spätestens seit der Zeit der großen Seefahrer ist bekannt: Zitrusfrüchte wirken gegen Skorbut — eine bis dahin unheilbare Krankheit. Dazu kommt das wohltuende ätherische Öl der Schale.

Während meines Aufenthalts in Sizilien habe ich mich in der Kooperative auch über die laufende Orangenernte informiert. Mehr darüber gibt’s morgen.
Dario und Giuseppe haben mich in eine ihrer Zitronenplantagen gebracht. Nun stehen wir mitten unter diesen immergrünen, bedornten Bäumen, alle mit kräftigen Stämmen. Drei bis sechs Meter hoch wachsen Zitronenbäume, die wie erwähnt das ganze Jahr blühen und fruchten können. Über uns hängen reife und unreife Früchte. Dario erzählt: „Zitronen lieben warme, geschützte Standorte ohne Staunässe und dazu eine ausgewogene, organische Düngung.“
Regelmäßig, alle ein bis zwei Jahre, müssen die Bäume auch geschnitten werden, um ein zu schnelles Wachstum zu verhindern. Schwierigkeiten bereiten den Biobauern Insekten wie Rote Spinne oder Schildläuse. Diese beeinträchtigen durch Saugen das Blattwachstum und schädigen auch die Schalen der Früchte, was letztlich deren Marktwert vermindert. Bekämpft werden diese mittels Insektenfallen, ausschließlich mit im Biolandbau zugelassenem Öl und natürlich durch Absonderung befallener Blätter und Aussortierung befallener Früchte.

Gefahr droht aber auch aus benachbarten, konventionell bewirtschafteten Hainen. Da bei Biozitronen häufig auch die Schalen gegessen werden, ist es wichtig, dass die Früchte tatsächlich nicht chemisch behandelt wurden. Um das zu garantieren, werden in Sizilien mindestens zweimal jährlich strenge Kontrollen von den Behörden durchgeführt. Stichprobenweise werden Blattproben genommen und auch die Früchte auf Pestizide untersucht - nicht nur, um zu überprüfen, ob die Biobetriebe selbst keine Agrarchemie einsetzen, sondern auch, dass keine Rückstände aus benachbarten Plantagen auf und in die Früchte gelangen.
„Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ist ein Abdriften von Spritzmitteln immer möglich. Wir haben ein gezieltes Monitorprogramm mit strengen Grenzwerten und ständige Kontrollen“, betonen die beiden Brüder. Klar, dass auch die anderen Erzeugerbetriebe der Kooperative Anweisungen für ihre Vorgangweise während der verschiedenen Pflegephasen erhalten. Die konstante, rückvollziehbare Kontrolle reicht über alle Phasen der Pflege und Ernte bis ins Lager. 2005 wurde auch die offizielle Anerkennung nach den Richtlinien von EUREPGAP erteilt, einem weltweiten Qualitätssicherungssystem für die Zertifizierung von landwirtschaftlichen Produkten.

Intensiv liegt der Duft der reifen Früchte auch hier über der Anlage. Morgen verrate ich das Geheimnis, warum es neben satt gelben auch geschmackvolle grüne Zitronen gibt - und warum im Hochsommer knallgelbe Zitronen aus Italien Mangelware sind.
In Sizilien ist gerade Haupterntezeit der süß-säuerlichen Früchtchen. Giuseppe erläutert mir vorweg die großen und kleinen Besonderheiten von Siziliens „nachwachsendem Gold“: Die wichtigste Sorte etwa heißt „Femminello Siracusano“. Sie wächst nur in der Region um Siracusa und hat wie etwa die Marille in der Wachau eine geschützte Ursprungsgarantie: „I.G.P. - Indicazione Geografica Protetta“. Sie blüht das ganze Jahr über, weshalb jeder Zitronenbaum mehrmals beerntet wird. Diese einheimische Sorte hat zwölf Monate Saison: als „Primofiore“ von November bis April, als „Bianchetto“ von Mai bis Juni und als grüne Sommerlimonen „Verdelli“ von Juli bis Oktober. Primofiore-Früchte gelten als die besten Zitronen. Sie sind kräftig gelb, dünnschalig, sehr saftig und gut haltbar.

Ab dem frühen Morgen werden in den Zitronengärten die reifen Früchte gepflückt, die frische Ware - meist noch am selben Tag bis spät in die Nacht - in der Packhalle der Kooperative für den Versand an „Ja! Natürlich“ sortiert und abgepackt. Zu kleine oder auch zu große Früchte, mit Schalenfehlern oder gar Schildlausspuren, werden ausgemustert, um daraus Saft zumachen. Dabei kann die Minderung im biologischen Anbau bis zu 20 Prozent betragen - nur die besten Zitronen werden veräußert. Das sieht man nicht nur an den gelb leuchtenden Früchten, sondern riecht es auch am typisch zitronigen Duft ihrer besonderen ätherischen Öle. Und während andere, auf Massenertrag gezüchtete Sorten gerade mal 20 Prozent Saftausbeute aufweisen, kommt Femminello Siracusano auf stolze 35 Prozent Saftgehalt, weiß Giuseppe. Dass sich die Sorte besonders gut auf natürliche Weise konservieren lässt, ist ein weiteres Plus für die Bioproduktion.

Nach der strengen Qualitätsselektion kommt das abgepackte Obst ins nur 8 bis 10 °C kühle Auslieferungslager. Fein säuberlich gestapelt warten dort die Fruchtsteigen mit mehreren Tonnen frischer Zitronen auf die Kühltransporter. Vermarktet wird die Ernte zu gleichen Teilen im In- und Ausland, wobei rund die Hälfte des Exports direkt nach Österreich geht. “Lass uns hinaus in einen von euren Zitronengärten gehen“, bitte ich die beiden Brüder, „frösteln“ wird es mich wieder daheim im winterlichen Österreich ohnehin noch lange genug. Worauf es in der kontrolliert biologischen Erzeugung von Zitrusfrüchten ankommt und wie streng die Kontrollen auch in Italien sind, darüber berichte ich morgen.
Für morgen habe ich meinen Flug nach Sizilien gebucht. Grund dafür ist mein Besuch bei Dario Campisi, einem Bio-Landwirt, der Zitronen, Orangen, Blutorangen und Grapefruits in seinen Obstgärten anbaut.
Ja! Natürlich bezieht seine Zitrusfrüchte in den Monaten von November bis April immer aus den Bio-Obstgärten von Dario Campisi auf Sizilien. Seit Jahren schon werden wir von ihm, seinem Bruder und noch zwei weiteren Landwirten aus der Region mit den frischen Vitaminspendern beliefert.
Und jetzt reise ich zum ersten Mal in die Region Catania auf Sizilien, besichtige die Obstgärten, von denen mir Dario schon viel erzählt hat, werde einige Blattproben von den Bäumen nehmen und werde den Arbeitern bei der Ernte über die Schulter blicken, um mich vor Ort von der Qualität der Früchte zu überzeugen.
Weitere Infos: Alles zu den Bio-Zitrusfrüchten von Ja! Natürlich finden Sie hier!