
Bei unserem Bio-Winzer Georg Lunzer haben wir dieses Video aufgenommen:
„Wo der Wein wächst, da lass dich nieder“, diese Empfehlung kannten schon die alten Römer. Beim Rundgang durch Georgs Weingarten denke ich daran und beneide den Winzer still um seinen sicher nicht immer leichten, dafür sehr schönen Arbeitsplatz in seiner „Werkstatt unter dem freien Himmel“. Üppig prangen überall die Trauben an den Reben. Dabei wären es noch viel mehr Früchte, hätten Georg und seine Helfer die Anlage nicht kontinuierlich über den Sommer „auf Qualität geschnitten“. Um nämlich die einzelnen Stöcke nicht zu sehr zu belasten, belässt der Winzer maximal vier bis zwölf Trauben — je nach Sorte und alter der Reben — am Stock. Der Rest wird entfernt. Manche Sorten würden bis zu 30 Trauben ausbilden, viel zu viel, um daraus schmackhafte Weine zu machen, so der Winzer.

Ob manche Sorten schwieriger als andere zu behandeln sind, frage ich Georg. Der meint: „Rotweine sind bei uns im Seewinkel sehr anfällig für Botrytis. Dieser für Süßweine ja durchaus erwünschte Pilz tritt bevorzugt bei hoher Luftfeuchte und hohen Temperaturen ohne Wind auf. Will man klassischen Rotwein produzieren und der Pilz tritt auf, schädigt er den Farbstoff in der Haut der Trauben, die Farbe geht verloren und der Wein riecht auch danach.“ Auch hier hat der Biowinzer nur eine Möglichkeit, um gegenzusteuern: Gründliche Laubarbeit. Botrytis nistet sich vor allem über die Fraßstellen des Sauerwurmes in den Beeren ein.

Der erste Anhänger mit Trauben wird nun zurück auf den Winzerhof gefahren. Zwei weitere Fuhren sollten es heute noch werden, hofft Georg. Dort beginnt dann die Phase des gelernten Kellereihandwerkes, in die sich die wenigsten Winzer gerne über die Schulter schauen lassen, verbunden mit immer neuen Experimenten, denn kaum eine Traubenernte gleicht der vorhergehenden.
Außer der speziellen Auflage, nur biologische Reinigungsmittel zu verwenden, läuft die Arbeit im Bioweinkeller gleich wie bei allen anderen. „Da kann man nicht viel anders machen“, weiß auch Georg. Auch könne man Bioweine „rein senorisch“ nicht von konventionellen Weinen unterscheiden. Dafür erhalten die Kunden aber sicher „reinsten Rebensaft aus rein natürlich kultivierten Pflanzen, ohne Rückstände von Pflanzenschutzmitteln.“ Und Georgs Bioweine sind begehrt. „Die Nachfrage ist sehr gut, Biowein entspricht dem Zeitgeist und verkauft sicht gut. Ich habe jedenfalls in Ja! Natürlich als großem Abnehmer — ich liefere etwa 60 Prozent meiner Ernte an Ja! Natürlich - einen vernünftigen Partner gefunden.“

Wir fahren zurück auf den Hof. Noch kurz ein paar Aufnahmen für unsere Homepage, die Zeit drängt. Georg ist ein sehr bescheidener Zeitgenosse. Obwohl bereits mehrfach für seine edlen Tropfen ausgezeichnet, weist auf seinem Betrieb keinerlei Tafel auf bisherige Weinerfolge hin: So war Lunzer etwa der 1. Biowein-Sieger bei der Landesweinprämierung in Eisenstadt, ein Jahr später wurde sein Weißburgunder 1999 bei der “Selection IFOAM 2000″, einer Prämierung der internationalen Biodachorganisation, gemeinsam mit einem Riesling aus der Wachau zu den zwei weltbesten Bioweißweinen gekürt.
Für Georg ist das aber Schnee von gestern. Und er war der erste, der für Ja! Natürlich Wein produziert hat! Darauf angesprochen, meint er verschmitzt: „Wenn die Ernte einmal in der Flasche ist, konzentriere ich mich schon voll auf das nächste Jahr.“ Zu guter Letzt frage ich Georg, was Besucher seines Betriebes - außer Bioweinen - noch mit nach Hause mitnehmen sollen? „Ganz einfach. Dass er das Gefühl hat, von mir gut beraten worden zu sein und dass er auch in mir einen verlässlichen Partner gefunden hat.“
Biowinzer Georg und ich sind mittlerweile hinaus in den Weingarten gefahren. Dort scheiden seine tüchtigen Lesehelfer bereits seit gut einer Stunde die saftigen Trauben von den Stöcken. Sorgsam wird das Erntegut in den Lesewagen gekippt.
Täglich verschafft sich Georg derzeit einen Überblick über den optimalen Reifezeitpunkt seiner Trauben. Mittels Refraktometer wird im Weingarten das „Mostgewicht“, also der Zuckergehalt der Beeren, bestimmt und der Säuregehalt ermittelt. Der Zuckergehalt des Mosts ist ein zentrales Qualitätskriterium für den späteren Wein. Und er ist Voraussetzung für die alkoholische Gärung. Den richtigen Reifezeitpunkt erkennt der erfahrene Winzer aber auch, indem er mit den Fingern die Beere öffnet, um ans Fruchtfleisch und die Kerne zu gelangen. „Wenn ich nur noch braune Kerne finde, dann ist die Ernte angesagt“, erläutert mir Georg und reicht mir eine goldgelb glänzende, saftig und süß schmeckende Welschriesling-Traube.

Wie er seine Reben über das Erdreich pflegt - indem er den Boden mulcht - hat mir der Winzer bereits erklärt. Zusätzlichen Dünger gibt es nicht, nur die gepressten Traubenrückstände, die „Trester“, werden ebenfalls im Weingarten ausgestreut. Handelsdünger ist dagegen tabu. „Die Weinrebe kann mit Nährstoffen ruhig knapp gehalten werden, man kommt auch ohne Dünger wie Kompost oder Stallmist durch.“, lautet Georgs Erfahrung. Und wie pflegt man die Weinstöcke über dem Stamm? „Die Laubarbeit ist sicher die meiste und auch schwierigste Arbeit“, grinst der Winzer.
Wichtigstes Ziel: die Traubenzone muss ab der Blüte bis zur Lese stets luftig sein, damit die Feuchtigkeit nach Regen oder Tau rasch abtrocknet und so Infektionen und Pilze keinen Nährboden finden. „Als Biowinzer darf ich keine chemisch synthetischen Mittel verwenden, erlaubt sind einzig geringe Mengen an Kupferpräparaten gegen falschen Mehltau und Schwefel gegen echten Mehltau.“
Und gegen den unter Winzern gefürchteten Traubenwickler - ein Nachfalter, dessen Larven Blüten und Trauben gerne als Mahlzeit sehen und große Schäden verursachen, setzt Lunzer auf einen nützlichen Keim: den „Bacillus thuringiensis“. Dieses im Boden lebende Bakterium produziert ein Gift, das tödlich auf die Larven des Wicklers wirkt. Besonders groß ist die Gefahr im späten Frühjahr, weshalb der Traubenwickler auch „Heuwurm“ genannt wird, sowie knapp vor der Lese, wenn die Larven als „Sauerwurm“ den Beeren schaden. Das Schutzpräparat mit B. thuringiensis wird als Granulat gekauft, in Wasser gelöst und mit der Feldspritze im Weingarten versprüht. Mit Lockstofftafeln, so genannten Pheromonfallen, überwacht Lunzer das Auftreten des Schädlings.

„Probleme gibt’s manchmal auch mit Pockenmilben, aber da hat man nichts in der Hand. Dieser Schädling verursacht Verformungen an der Blattunterseite und nistet sich dort ein. Da können wir die Blätter nur abzupfen und verbrennen.“ Andere Nützlinge werden nicht eigens gefördert, „aber durch die Pflanzenvielfalt der Begrünung ermögliche ich ohnehin ein Ökosystem, das sich selbst im Gleichgewicht hält“, meint der Winzer.
Natürlicher Boden- und Pflanzenschutz sind nicht alles, mit denen ein Biowinzer beste Weinqualitäten erzielt. Mehr darüber morgen in meinem Web-Tagebuch.
Emsiges Treiben herrscht in diesen Wochen in Österreichs Weinregionen. Eine der bekanntesten liegt im Burgenland, direkt am Neusiedlersee: der Seewinkel mit seiner heimlichen Wein-Metropole Gols. Noch liegen feine Nebelschleier über den Weingärten, als ich frühmorgens am Betrieb von Georg Lunzer auftauche. Seine acht Saisonhelfer aus Ungarn sind längst im Weinberg, um die reifen Trauben zu schneiden.
Als ich aus dem Auto steige, erfasst mich prompt eine schwere Aromawolke aus frischem Maischeduft, vom Lesegut der vergangenen Tage. Begonnen hat die Weinlese heuer bereits am 27. August — so früh wie selten zuvor. Die stetige Klimaerwärmung macht sich gerade hier in Österreichs äußerstem Osten seit langem bemerkbar. Als der heute 40-jährige Absolvent der Höheren Weinbauschule Klosterneuburg noch ein Kind war, begann die Lese frühestens Ende September, erzählt mir der Winzer.

Den Betrieb übernommen hat der fesche Winzer 1989 vom Vater. Wie groß der Betrieb sei, frage ich Georg Lunzer. 12,5 Hektar Weingärten besitze er, „rund ums Dorf verstreut“, also viele kleine Rebanlagen und somit nicht ganz leicht zu bewirtschaften. Aber das minimiere auch das Risiko bei allfälligen Produktionsausfällen, plaudert der Weinbauer gleich von der Leber weg. Die Weinfläche selbst ist je zur Hälfte mit Weiß- und Rotweinsorten bepflanzt: überwiegend mit Welschriesling und Weißburgunder sowie Zweigelt und Blaufränkisch. Auf Sortenvielfalt wird trotzdem großer Wert gelegt: bodenständige Weißweinreben wie Grüner Veltliner, Neuburger und Muskat kultiviert Lunzer ebenso wie „trendige Rote“: St. Laurent, Merlot, Cabernet Sauvignon oder Pinot Noir.

Der Umstieg auf Bio war für ihn von Beginn weg klares Ziel. Statt Kunstdünger und chemischer Spritzung setzte er ab 1990 auf „natürliche Begrünung“, der Jungwinzer ließ also anfangs zwischen den Reben „alles wachsen, was da so war“. Warum? „Mein Vater hat noch konventionell gewirtschaftet. Nach jedem kurzen Regen wurde mit dem Kultivator durch den Weingarten gefahren, um Verschlemmungen und Bodenverdichtungen aufzureißen. Auch bei der Lese hat der Traktor immer enorme Spuren durch den Weingarten gezogen. Der Boden war ausgelaugt, wie tot. Mir hat das nicht gefallen, ich wollte das ändern.“
Anfängliches Lehrgeld hat Lunzer damals auch bezahlt. Besonders den unerwünschten Disteln gefiel die neue Natürlichkeit im Weingarten. Seither lenkt Lunzer den Grünwuchs auf seinen Rebflächen, sät gezielt Stickstoffsammler wie Winterwicken oder Phacelia, dazu Roggen und Buchweizen und mäht und mulcht diese, wenn sie zu üppig werden und den Weinstöcken das Wasser streitig machen. „Der Grünschnitt bleibt am Boden und dient so als Dünger, zur Humusförderung und in Hanglagen auch als Erosionsschutz vor Wind und Niederschlägen. Die Weingärten müssen zehn Monate im Jahr begrünt sein. Worauf ein echter Biowinzer noch achten muss, um im Herbst bestes Traubenmaterial für die Vinifizierung zu erhalten, darüber berichte ich morgen.
Mittlerweile ist „Bio“ nicht nur bei Milch und Milchprodukten, Fleisch, Backwaren sowie Obst und Gemüse ein Thema. Auch beim Weingenuss wird zunehmend auf völlige Natürlichkeit Wert gelegt. „Ja! Natürlich“-Weinbauer Georg Lunzer hat schon früh bewiesen, dass man als Biowinzer die starke Konkurrenz der konventionellen Winzer nicht scheuen braucht. Letzte Woche habe ich Herrn Lunzer in Gols bei der heurigen Weinlese besucht. Trotz großer Hektik — schließlich ist das die aufregendste Phase auf jedem Weinbaubetrieb — hat sich der „Bio-Winemaker“ viel Zeit für mich genommen, um mir sein Rebenreich und die Arbeit als Bio-Winzer vorzustellen. Mehr darüber ab morgen hier.

Weitere Infos: Alles zum Bio-Wein von Ja! Natürlich finden Sie hier!