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Video von der Putenbäuerin

Diesmal besuchte unser Film Team Heidemarie Moser auf ihrem Hof.

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Mindestens 10 Quadratmeter Freilauf pro Tier

Puten sind also besonders anspruchsvolle Tiere. Ein trockener, sauberer und gut belüfteter Stall und Ausläufe sind die Voraussetzung für eine erfolgreiche Bio-Putenhaltung. Für den Außenbereich ist Franz Moser zuständig: Jede Koppel wird nach vier Monaten Beweidung umgeackert und frisch mit einer Kleegrasmischung bepflanzt. Erst nach acht Monaten Pause dürfen die Puten dann wieder auf die alte Koppel. So ist sichergestellt, dass die Bioputen immer eine saubere, gut bewachsene Kleeweide vorfinden. Schädlinge wie Parasiten, Bakterien etc. können sich nie so stark vermehren, dass sie zu einem hygienischen Problem für die Gesundheit der Puten werden. „All das merkt man später auch beim Fleisch,“ ist Heidemarie überzeugt, mit dem Verweis auf besonders kritische Abnehmer: „Nicht nur unsere Kunden, auch meine Schwägerinnen bestätigen mir, das man unser Putenfleisch vom Geschmack her mit keinem anderen vergleichen kann.“

Mindestens 10 Quadratmeter Freilauf pro Tier müssen Biobauern ihren Puten bieten – bei den Mosers ist es doppelt so viel. Nur so können die Tiere ihr natürliches Sozialverhalten ausleben und haben gleichzeitig genügend Platz zur Flucht, falls es einmal zu Streitereien unter den Hähnen kommen sollte. Und die Schnäbel bleiben dran, werden nicht kupiert. Dabei kann es ganz schön schmerzhaft sein, wenn eine Henne nur aus Neugierde mal durch den Zaun peckt, wie ich selbst an meinem Bein zu verspüren bekomme, als ich Heidemarie beim Kontrollgang über die Weide beobachte. Probleme mit Federpicken oder Kanibalismus gibt’s am Putenhof der Mosers - wohl auch wegen des großzügigen Platzangebotes – indes keine. „Die Tiere gehen auch im Winter bei Minusgraden nach draußen“, erzählt mir Heidemarie. An normalen Tagen endet der Ausgang für die Tiere je nach Jahreszeit mit Einbruch der Dämmerung. Wer dann noch nicht zurück im Stall ist, wird von Heidemarie sanft nach Hause gebeten. Nur bei extrem unwirtlichen, feuchten Wetter bleiben auch tagsüber die Luken dicht, damit Nässe und Schmutz draußen bleiben.

Am Ende wartet aber auch auf Heidemaries glückliche Puten („Man hört das in ihrem typischen ‚goggeln’. Manche liegen dabei auch im Stroh und strecken ihre kräftigen Beine von sich“) der Schlachter, konkret im großen Putenschlachthof der Firma Wech im nahen Glanegg, wo das Fleisch auch gleich in Schnitzel, Brustfilets oder Keulen zerteilt, verpackt oder für die Weiterverarbeitung vorbereitet werden. Auch hier gelten strengste Hygienevorschriften, die frische Ware wird gekühlt binnen weniger Stunden direkt in die Frischeregale von Billa und Merkur geliefert. Für die Mosers beginnt dann der Kreislauf wieder von neuem: Stall ausmisten, Böden und Wände mit heißem Wasser säubern und anschließend kalken (ein völlig natürlicher Hygieneschutz), den Stallboden mit entstaubten Hobelspänen einstreuen, die Kleeweiden neu ansäen, die Fütterungsanlagen mit Essigwasser desinfizieren. Noch ist bis dahin aber gut einen Monat Zeit.

Mit dem guten Gefühl, neben glücklichen, weil artgerecht gehaltenen Tieren auch eine mit ihrer Aufgabe sehr zufriedene Biobäuerin hinter mir zu lassen, mache ich mich wieder auf den Heimweg in mein Büro in der Ja! Natürlich-Zentrale.

Tägliche Bewegung unter freiem Himmel

„Wie bist du eigentlich zur Putenmast gekommen?“, will ich von unserer Ja! Natürlich-Bäuerin wissen. Und Heidemarie erzählt: „Mein Mann ist LKW Fahrer, ich war 14 Jahre lang Köchin. Meine Eltern haben einen Bauernhof gehabt. Ich wollte immer schon Bäuerin werden, auch wegen der Tiere.“ Die Sehnsucht nach einem eigenen Hof war groß, wie auch bei ihrem Mann Franz, der ebenfalls gerne in der Landwirtschaft mitarbeitet. Dann begannen mehrere Bauern in der Region mit der Bioputenmast und die Mosers schlossen sich ihnen an. Bereut haben sie diesen Schritt bis heute nicht: „Im Gegenteil. Ich bin heute zuhause bei den Kindern und kann mir meine Zeit frei einteilen. Die Arbeit am Hof mache ich großteils alleine. Am Abend und am Wochenende hilft mir auch mein Mann, vor allem bei schwereren Arbeiten wie dem Ausmisten oder der Stallreinigung, bevor wir neue Puten aufstallen.“ Dass für sie nur Bio-Freilandhaltung in Frage kam, versteht sich von selbst: „Weil ich meine Tiere einfach nicht täglich eingesperrt halten möchte.“

„Kelly Bronze“ heißt die in den 1970er Jahren aus britischen und amerikanischen Tieren  gezüchtete Putenrasse. Die Eier dieser besonders für die Freilandhaltung geeigneten, weil robusten Putenrasse kommen aus Kanada und werden in einer Brüterei ausgebrütet und aufgezogen. Die Züchter dieser besonderen Tiere, Derek und Paul Kelly (daher der Name), leben in England. Ihr Traum war Ende der 1970er Jahre eine Pute, die ohne Hormone, ohne Antibiotika, ohne Futtermittelzusätze und ohne tierisches Eiweiß im Futter auskommen kann. Und der die Haltung im Freiland auch bei widrigen Witterungsumständen oder im Winter nichts ausmacht. Nach Österreich geholt werden die Eier von Franz und Ulli Planegger aus Launsdorf. Der Agraringenieur und seine Frau haben sich voll der Jungputenerzeugung nach Bio-Richtlinien verschrieben und beliefern die Mäster. Die Kükenaufzucht am eigenen Betrieb wäre laut Heidemarie Moser zu aufwendig und teuer, denn in der Kükenzucht muss man ständig nach den Tieren schauen, die Temperatur und das Stallklima kontrollieren: „Wenn die Jungputen mit fünf bis sechs Wochen zu mir kommen, dann sind sie bereits selbständig und mit relativ wenig Arbeitsaufwand zu halten.“

Insgesamt bleiben die Tiere je nach Geschlecht bis zu 19 Wochen am Hof. Die Hennen haben  ihr ideales Gewicht mit 10 bis 11 Kilogramm erreicht, die Hähne mit 17 bis 20 Kilogramm Trinken und Fressen können sie, wann immer sie wollen. Die Plastiktränken und die blechernen Futterautomaten im Stall füllen sich automatisch. Angeboten wird ausschließlich ja nach Alter der Tiere garantiert salmonellenfreies Kraftfutter aus verschiedenen Biogetreidearten, Mais, Erbsen, Ölsaaten und Kleien. Natürlich ohne Antibiotika und chemische Leistungsförderer und ohne Tiermehl. Zudem weiden die Puten  auch die Wiesenkoppeln ab und lassen dabei – ähnlich wie Schafe – kein Hälmchen stehen. Im Gras steckt neben Vitaminen und diversen Spurenelementen viel Eisen, das für die intensive Fleischfarbe verantwortlich ist.

Durch die tägliche Bewegung im Auslauf unter freiem Himmel werden die Brustmuskeln und Keulen der Tiere trainiert, die Puten bilden festes, feinfaseriges und zartes Fleisch aus. Je länger die Mast, desto mehr intramuskuläres, aromatisches Fett wird einlagern, wodurch der Geschmack des Bio-Putenfleisches immer ausgereifter und gehaltvoller wird. Im Stall leben die Puten auf Stroh oder  Hobelspänen, das Stallklima und die Hygiene werden laufend tierärztlich kontrolliert. Die strengen behördlichen Kontrollen bereiten Heidemarie indes keine Sorgen: „Ich habe in meinem Betrieb nichts zu verbergen und halte alle notwendigen Aufzeichnungen und Unterlagen stets auf dem Laufenden.“

Wie oft dürfen Heidemaries Truthühner ins Freie? Wer pflegt die Weiden? Und wo endet stets die Geschichte ihrer glücklichen Puten? Teil 3 meines Weblog folgt in Kürze.

Das Putenquartier ist für Besucher tabu

Lokalaugenschein am Putenbetrieb von Heidemarie Moser nahe St. Veit/Glan: Endlich! Der Frühling ist ins Land gezogen. Nicht weit entfernt thront Kärntens bekanntestes Bauwerk, die Burg Hochosterwitz, im gleißenden Sonnenlicht. Die Region zwischen Längsee und Magdalensberg ist bekannt für ihre Dichte an Hühnerhöfen. Auch der Betrieb Moser ist nur einer von rund zwanzig Biobetrieben, die seit 2000 für die Firma Freiland Puten Osterwitz GmbH in Launsdorf und damit für Ja! Natürlich leichtes wie bekömmliches Truthahnfleisch produzieren.

Heidemarie ist wie jeden Tag bereits seit 7.15 Uhr bei ihren in zwei Ställen nach Hennen und Hähnen  aufgeteiltem Federvieh. Gleich nachdem ihre beiden Kinder Stefan, 12, und Raphaela, 9, sowie ihr Mann aus dem Haus sind, fährt sie von ihrem Heimatort Goggerwenig ins benachbarte Reibersdorf, wo die Mosers Anfang 2000 etwas Grund sowie die beiden Stallgebäude gepachtet haben. Die Käfige aus der einstigen Hendlbatterie wurden entfernt, die Stallhallen unter Einhaltung der Bio-Auflagen für Putenhaltung adaptiert und die umliegenden Wiesen als Weideflächen eingezäunt. Ich werde an der Stalltüre freundlich von Heidemarie empfangen. Das Putenquartier ist bereits frisch eingestreut, die automatisch beschickten Futterrinnen und Tränkebecken sind gesäubert. In den Stall selbst darf ich nicht. „Der ist für Besucher tabu. Nur mein Mann und ich sowie die Biokontrolleure dürfen in Schutzbekleidung da rein“, sagt die Biobäuerin freundlich, aber bestimmt. Eine Hygienebestimmung für die Gesundheit ihrer 1.700 Tiere. Nicht auszudenken, wenn Betriebsfremde Krankheitskeime in den Stall einschleppen würden.

Durchs Fenster kann ich dennoch einen ausgiebigen Blick in den hellen Stall werfen. “Guruguruguru“. Von drinnen nach draußen dringt ein vielstimmiges, kehliges Gurren und Glucken. „Zeit, dass sie nach draußen kommen“, sagt Heidemarie. Ich folge ihr ins Freie, wo nun an den seitlichen Stallwänden die Ausflugluken geöffnet werden. In freudiger Erwartung drängt das Federvieh hinaus. Die Puten plustern sich und spreizen ihr schwarz-bronze schimmerndes Gefieder mit kleinen, weißen Einsprengseln. Schon laufen die ersten Hennen wie wild über die Wiese. Zufrieden schaut ihnen die Bäuerin nach: Ich habe immer wieder eine Freude daran wenn ich sehe, wie sie zufrieden ins Freie flattern.“

Morgen geht’s weiter: Was fressen die Puten? Und wie sieht Heidemaries Tag aus?

Besuch bei Fr. Moser und ihren Puten

Vor nunmehr acht Jahren hat Heidemarie Moser für sich die perfekte Verbindung zwischen Familie und Beruf gefunden. Mit ihrem Mann Franz hat die Bauerntochter und gelernte Köchin zwei Geflügelställe samt 5, 5 Hektar Wiesen gepachtet und sich seither voll der Haltung von Bioputen verschrieben. Die Arbeit mit den Tieren macht ihr viel Freude, daneben bleibt genügend Zeit für ihre beiden Kinder. Ich habe dieser Tage unsere Ja! Natürlich-Putenmästerin in ihrer Kärntner Heimat auf ihrem beneidenswerten Arbeitsplatz besucht. Mehr darüber ab morgen in meinem neuesten Weblog.


     
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