
Dieses Video wurde vom Ja! Natürlich Team bei Familie Promok gedreht.
Neben dem Stall steht Reinhard Promoks Auto und dahinter ein kleiner Anhänger. Mit dem fährt er seine Lämmer stets ins nahe Öblarn. Dort haben die Schafbauern der Region einen gemeinsamen Sammelstall errichtet. „Die Tiere werden im Alter von vier bis maximal sechs Monaten in einem Schlachthof in Stein an der Enns geschlachtet. Sie haben dann zwischen 38 und 47 kg Gewicht. In Öblarn werden sie sortiert, leichtere Tiere allenfalls noch bis zu drei Wochen weiter gefüttert.“
Reinhard hat aus dem Stall ein schnuckeliges Lämmchen geholt und mir kurz in die Arme gedrückt. Ob es ihm nicht manchmal das Herz bricht, wenn bereits so kleine Tiere zur Schlachtbank geführt werden? Dazu der g’standene Bergbauer: „Das ist halt der Kreislauf. Und geschlachtet werden ja keine so kleinen Lamperln wie dieses. Aber wir Bauern sind nun mal Produzenten von gesunden Nahrungsmitteln, da gehört Fleisch und somit auch Lamm dazu.“ Und bis es so weit ist, sorgt der Bauer mit bestem Futter im weitläufigen Stall für ein auch den Tieren behagliches Umfeld.

Kontrolliert wird der Biobauer natürlich auch, so mindestens ein Mal im Jahr von der unabhängigen Kontrollstelle Austria Bio Garantie. Deren unangekündigter Kontrolleur prüft penibel die Stallaufzeichnungen und den Futtermittelzukauf, zieht Proben, achtet auf die Einhaltung aller Bioauflagen im Stall und auf den Wiesen und Weiden.
Seit in einem gemeinsamen Projekt das Angebot an Biolammfleisch im Ennstal gebündelt wird und Ja! Natürlich für Merkur als Abnehmer der Lämmer gewonnen wurde, herrscht unter den Biobauern der Region großer Optimismus, erzählt Reinhard Promok. Allein am Hauser Kaibling könnten schon bald statt bisher 250 bis zu 500 Schafe im Sommer die Pflege der Bergwiesen und Skiabfahrten übernehmen. Nur für das Problem, wie man gerade zur Hauptabsatzzeit rund um Ostern das Lämmerangebot gezielter steuern kann, dafür hat auch Reinhard „nicht wirklich“ eine Lösung parat, wie er mir zum Abschied lachend gesteht.
Im Stall säugen gerade die Schafe ihren Nachwuchs. Dazwischen springen munter bereits satte Lämmer über das duftende Strohbett. „Nicht jede Schafrasse eignet sich hier im Gebirge auch für die Fleischlammproduktion“, erzählt mir Reinhard. Seine Muttertiere sind Tiroler Bergschafe, genügsame Milchschafe, die sowohl im Frühjahr wie im Herbst ablammen. „Ein gutes Schaf bringt drei Lämmer pro Jahr. Denn Zwillingsgeburten sind häufig.“ Das Vatertier ist dagegen ein guter Fleischwidder der Rasse Weißes Alpenschaf. „Das bringt vollfleischige Lämmer, die sich auch gut für die Alpung eignen.“
Die bewusste Selektion nach gesunder Leistung und hoher Fruchtbarkeit bei der Zucht und genaue Aufzeichnungen über die Ablammungen seien wichtig, um vollrahmige Schafe und gesunde, wüchsige Lämmer zu bekommen, erklärt der Fachmann.

Ab und zu werden die Schafe auch mit einem gekörten (also speziell für die Zucht ausgewählten) Bergschaf-Bock gepaart, um noch bessere Alpinschaf-Gene in die Herde zu bekommen.
Futterbasis der Tiere sind die Wiesen und Weiden rund um den Bergbauernhof. „Schafe sind eigentlich richtige Feinschmecker“, weiß Reinhard, der seine Herde mit nährstoffreichem Heu und „Grummet“, also Heu eines späteren Grasschnitts, füttert. Der richtige Grünfutterschnitt im Sommer bestimmt die Qualität.
Zugekauft wird nur Viehsalz für die Mineralstoffversorgung sowie in geringen Mengen „LämmerKorn“. Das ist pelletierter Biogetreideschrot, ein biozertifiziertes Ergänzungsfutter für Mastlämmer. Gedüngt werden die Futterwiesen ausschließlich mit Stallmist. Tritt der unerwünschte Wiesenampfer auf, darf er nicht chemisch gespritzt, sondern muss mühevoll händisch ausgestochen werden. Denn wo der bitter schmeckende Ampfer auf Wiesen und Weiden hochragt, werden erwünschte Gräser und Kräuter verdrängt. Kühe und Schafe machen einen Bogen darum und so bleibt dem Landwirt nichts übrig, als den Ampfer zu stechen, damit nicht irgendwann das ganze Futter für seine Tiere ungenießbar wird.

Dank robuster, gesunder Tiere hat der Biobauer auch keine Probleme mit Krankheiten in seiner Herde. Dem „Moderhinken“ wird mit intensiver Klauenpflege vorgebeugt. Diese weit verbreitete Klauenerkrankung bei Schafen, verursacht durch Bakterien, entwickelt sich gerne in feuchten Ställen: „Daher ist auch ein schönes Strohbett wichtig. Bei der Einstreu nehme ich es sehr genau.“ Das Stroh kommt übrigens von Getreidebauern aus Niederösterreich und muss — teuer — per LKW in die Berge transportiert werden.
Morgen werde ich darüber berichten, wann es für Reinhard Zeit wird, seine Lämmer zu verkaufen und warum den Bio-Lämmern gerade im Ennstal eine große Zukunft vorausgesagt wird.
Der „Dirtlerhof“ liegt auf genau 1.030 Meter Seehöhe, hoch über Haus im Ennstal, mitten in den Schladminger Tauern. Hier leben Reinhard Promok und seine Frau Veronika mit ihren vier Kindern: drei Buben, ein Mädchen, zehn bis 19 Jahre alt. Im Winter ist auf dem „Urlaub am Bauernhof“-Betrieb direkt neben der Skipiste des Hauser Kaibling besonders viel los. Ohne den Tourismus könnte der Bergbauernhof der Zone 3 heute nur schwer existieren. Aber auch die Unterstützung des steirischen Schafzuchtverbandes ist für die Biobauern ein wichtiger Faktor.

Bei traumhaftem Winterwetter begrüßt uns Hausherr Reinhard vor einer herrlich verschneiten Bergkulisse. Schade, dass keine Zeit bleibt für das Pistenvergnügen, aber wir wollen ja vom 45-jährigen Biobauern wissen, warum und wie er hier oben auch jedes Jahr bis zu 35 Bio-Lämmer hält und was deren Besonderheiten ausmacht.

„Im Sommer ist der Stall natürlich leer, dann sind die Tiere auf der Alm, machen quasi Urlaub auf 1.200 m Höhe und darüber hinaus“, erzählt der gelernte Zimmermann, der den elterlichen Hof seit zwölf Jahren voll biologisch bewirtschaftet. Seine Schafe beweiden vor allem die Skiwiesen und auch die Kaiblinger Alm: „Ich treibe sie nur vom Hof weg, sie finden alleine den Weg auf die Höh’ und können sich so selbst das beste Gras’l aussuchen.“ Auch im Winter gebe es keine „Stallpflicht“, mehrmals pro Woche haben sie Auslauf in den Schnee.
Ostern naht! Zu diesem Fest darf es bei vielen gesundheits- und umweltbewussten Österreichern neben Bio-Eiern auch gerne noch etwas Besonderes sein: Die Rede ist von Bio-Lammfleisch auf dem Ostertisch. Solches auch zu bekommen ist gar nicht so einfach: der größte Anteil von Lammfleisch stammt nach wie vor aus Neuseeland. Heimisches Lammfleisch, noch dazu aus streng biologischer Haltung, ist rar. Allerdings nicht bei Ja! Natürlich: Ich werde in den kommenden Tagen einen unserer Biolämmer-Produzenten, Reinhard Promok, im steirischen Ennstal besuchen.
Weitere Infos: Alles zum Bio-Lammfleisch von Ja! Natürlich finden Sie hier!