
Unser Film-Team besuchte Erwin Binder auf seinem Hof und drehte dieses Video:
Seit nunmehr sieben Jahren widmet sich Erwin auch dem Anbau von Kräutern und kultiviert aktuell gut 60 (!) verschiedene Sorten: Basilikum, Schnittlauch, Petersilie, Thymian, Oregano, Majoran und viele andere mehr. Die Topfkräuter, darunter viele Raritäten, herangezogen auf 0,75 Hektar unter Glas, sind neben Paradeiser längst zum wichtigsten Standbein des Betriebes geworden.

Die sensiblen Kräuter werden ebenfalls überwiegend durch den gezielten Einsatz von Nützlingen vor Schäden durch saugende oder fressende Insekten bewahrt. „Ja, ich bin ein guter Kunde von Biohelp“, erklärt Erwin lachend. Die Firma mit Sitz in Wien-Simmering hat sich auf die Zucht von nützlichen Insekten spezialisiert und liefert an Glashausgärtner auch Hummeln als Bestäubungshilfe, biologische Pflanzenschutzmittel oder „Verwirrungstechnik“ und Fallensysteme zur Beobachtung der Populationsdynamik von Schädlingen.

Wichtig bei den Kräutern sei vor allem die konstante Einhaltung der optimalen Temperatur von mindestens 17° C im Gewächshaus sowie erhöhte Sorgfalt beim Gießen. Trockenheit führt bei den empfindlichen Pflanzen nämlich leicht zu Stress, und das wiederum macht sie anfällig für Schädlinge. Dass die Wärme in seinen Treibhäusern nicht aus der Verbrennung von fossilem, die Umwelt belastendem Öl, sondern aus CO2-neutral verbrennendem Holzhackgut aus der Region stammt, ist ebenfalls ein Plus-Punkt am Bio-Gemüsehof von Erwin Binder.

Bis zu 60.000 Kräutertöpfe pro Woche verlassen in Spitzenzeiten Binders Gemüselager, um später in den „Ja! Natürlich“-Kräuterecken feil geboten zu werden. Kontrolliert wird der Kräuteranbau ebenso streng wie alle anderen Gemüsekulturen am Westhof - durch unabhängige Kontrolleure der Bio Austria, der Agrarmarkt Austria oder auch von Ja! Natürlich. Auch ich habe in Erwins Folientunneln eine Salatprobe geschnitten, ein Bündel Radieschen gezogen und einige Kräutertöpfe für unsere Blattanalysen mitgenommen. Als ich mich verabschiede, läutet prompt wieder Erwins Handy. Die Arbeit ruft. Soeben sind die täglichen Bestellmengen von Billa und Merkur eingelangt. Der nächste Kühltransporter will beladen werden.
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Vor den Tunneln harren einige potenzielle “Kunden” auf Erwins Ernte: prachtvolle Feldhasen - allerdings bewusst ausgesperrt durch Gitter an den Ein- und Ausgängen. Niederwild gehört auch zu den Schädlingen, die dem Gemüsebauern zu schaffen machen. „Da nützen wirklich nur Zäune“, seufzt der Landwirt. Erheblich mehr Schaden anrichten können aber je nach Kultur die gefürchteten Drahtwürmer oder diverse Milben im Boden sowie Blattläuse. Der Bodengesundheit gilt daher Erwins besondere Aufmerksamkeit. Anders ist etwa dem Drahtwurm kaum Herr zu werden. Aber auch gezielte Bewässerung in dieser besonders trockenen Region östlich des Neusiedlersees gehört dazu.

Dafür hat Erwin keine Probleme mit Schnecken. Zudem achtet er auf Blattlaus-resistente Sorten und fördert Nützlinge, damit seine Pflanzen gesund und frei von Krankheits- und Schädlingsdruck bleiben. Wichtig ist auch die Fruchtfolge. Auf den knackigen Salat etwa folgen Mitte Mai die Paradeiser, auf diese im nächsten Jahr Radieschen und Paprika. Alle vier bis fünf Jahre wechseln die Folientunnel ihren Standort auf vorherige Grünbracheflächen. Auch Fisolen finden sich im Anbauplan.

Dem Unkrautdruck nach der Auspflanzung des jungen Gemüses begegnet der Bio-Pionier seit jeher mit über die Felder gespanntem feinen Fließ oder mit Folien. Durch diese wächst ausschließlich der Salat, unerwünschte Pflänzchen haben darunter dagegen keine Chance. Die Folien werden nach der Ernte wiederverwertet.
Lockstoff-Tafeln zur rechtzeitigen Ortung von Schädlingen nutzt Erwin Binder ebenso als vorbeugende Pflanzenschutzmaßnahme wie er auch gezielte Nützlinge im Glashaus fördert. Im großen Foliengewächshaus, gerade mit Paprika bepflanzt, hat Erwin in den Reihen alle zehn Meter Weizenbüschel eingesetzt. Auf diesen zieht er nützliche Raubmilben heran, die wiederum den ungeliebten Spinnmilben den Garaus machen sollen. Und anders als im konventionellen Gewächshaus-Gemüsebau mit Steinwolle und Nährlösungen werden am Betrieb Binder die Pflanzen klarerweise noch im natürlichen Erdbeet herangezogen.

Über Erwins Arbeit als Kräuterprofi von Ja! Natürlich möchte ich morgen noch einiges erzählen.
Flink und emsig zupfen die Erntehelfer seit dem frühen Morgen die knallrot leuchtenden Radieschen aus der Erde, binden diese je nach Größe zu faustgroßen Bündeln und ab geht’s damit in eine der Dutzenden grünen Kisten. Unweit davon entfernt, in anderen Folientunneln am Westhof, wandern zeitgleich hunderte Salatköpfe, sauber geschnitten, gewaschen und sortiert, ebenfalls in die Transportbehälter. Soeben rollt der kleine Plantagentraktor die ersten Gemüsepaletten zurück vom Feld auf den Hof, wo schon der Kühl-LKW wartet. Es werden keine 24 Stunden vergehen, bis die soeben geernteten Wurzeln und Häupteln in den Filialen von Billa und Merkur in ganz Österreich angepriesen werden.

Mittendrin steht Erwin Binder, 42, gelernter Schlosser und seit 1994 Biogemüsebauer aus St. Andrä am Zicksee. Er gehört zu unseren „Ur“-Produzenten, ist quasi seit der Geburt von Ja! Natürlich mit dabei. Damals hat er den elterlichen Gemüsebetrieb übernommen und sofort auf Bioproduktion umgestellt. Seine erste Bioparadeiser-Ernte wurde an Ja! Natürlich geliefert. Und wie Österreichs erfolgreichste Bio-Marke ist auch sein Betrieb gewachsen, von anfänglich 17 Hektar auf heute stolze 50 Hektar.

Wichtigstes Betriebsmittel auch hier im idyllischen Seewinkel, hart an der Grenze zu Ungarn, ist das Mobiltelefon. Alle paar Minuten instruiert Erwin damit seine in Spitzenzeiten bis zu 80 Mitarbeiter und Erntehelfer. Er ordnet an, segnet ab und entschuldigt sich zwischendurch bei mir: „Heute ist es besonders stressig.“ Bei näherem Hinhören ist das auch kein Wunder: Die Ernte der beiden Kulturen auf jeweils rund 12 Hektar läuft auf Hochtouren. In den kommenden Monaten wird Erwin bis zu 40.000 Salatköpfe an Ja! Natürlich liefern, neben 100.000 Bund Radieschen — pro Woche!

Binders Bio Gemüse GmbH am Westhof, etwa drei Kilometer außerhalb von St. Andrä gelegen, ist ein Profi-Betrieb. Die Logistik dahinter beeindruckt: Etwa 200 unbeheizte Tunnel und damit sieben Hektar Fläche unter Folie, dazu zwei große Glashäuser für Dutzende Kräuter — umweltfreundlich mit einer hofeigenen Hackschnitzel-Heizung betrieben. Gut zwei Drittel aller Freilandflächen sind mit Gemüse bestellt, auf dem Rest wächst Luzernenklee zur Verbesserung der Böden. Denn natürlich ist auch auf diesem Biobetrieb konventioneller Handelsdünger - ebenso wie chemisch-synthetische Spritzmittel — verpönt. Zum Einsatz kommen ausschließlich eigener Kompost und eben die Rückstände der Gründecke als natürlicher Stickstofflieferant und Humusmehrer.

Nachdem Erwin seine Mitarbeiter für die nächsten Stunden eingeteilt und alle Anfragen an sein Büro beantwortet hat, lotst er mich in einen ruhigeren Salattunnel. Worauf der Biobauer auf seinem Hof besonders Wert legt, darüber berichte ich morgen.
Der Frühling hat endlich voll Einzug gehalten, allerorts sprießt frisches Grün und neben der Lust, sich wieder im Freien zu bewegen, wächst auch jene auf gesund-leichtes Gemüse und intensiv schmeckende Kräuter. Nun stehen wieder Salat und knackige Radieschen am Speiseplan. Oder zarter Mozzarella mit duftendem Basilikum. Leichte, frische Kost eben. Daher habe ich mich auf den Weg ins Burgenland gemacht. Dort produziert Erwin Binder für uns (neben Paradeisern und Paprika) Salat, Radieschen und eine enorme Vielzahl an Kräutern. Morgen folgt der erste Teil meines Berichtes.
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