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Video vom Karpfenbauern

Auch bei Herrn Fischer-Ankern drehte unser Film-Team einen kleinen Beitrag.

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Von Brut-, Streck- und Aufzuchtteichen

„Alles, was Sie hier ringsum sehen ist vor langer Zeit von Menschenhand geschaffen worden“, erzählt mir Peter Fischer-Ankern, als wir auf der Teichkrone stehen. Seine „Himmelsteiche“ im Waldviertler Granit-Hochland bilden seit Jahrhunderten eine zusammenhängende Kette kleinerer und größerer Gewässer. Die erste urkundliche Erwähnung zweier Teiche gehe sogar auf das Jahr 1345 zurück. Der Karpfenzüchter erläutert mir das durchdachte System von kleineren „Brut- und Streckteichen“ sowie von den großen „Aufzuchtteichen“, in denen seine absolut natürlich gehaltenen Fische später bis zu vier Jahre lang heranwachsen. Als Erfolgsfaktoren seiner Biokarpfenzucht nennt Fischer-Ankern die hervorragende Wassergüte, das langsame Fischwachstum im oft rauen Klima mit nur geringen Wassertemperaturen, die nur geringen Besatzdichten in den Teichen, das ausgewogene Verhältnis zwischen Raub- und  Futterfischen und natürlich absolut biologisches Futter aus hofeigenem Biogetreide: „Solches setzen wir aber nur spärlich ein, damit die Karpfen vital bleiben und nicht fett werden. Nur wenn sie ständig auf Futtersuche herumschwimmen, bilden sie auch zartes Muskelfleisch.“ Und im sauberen, anmoorigen Wasser bilde sich ohnehin viel natürlicher Plankton - auch ohne künstlichen Dünger. Das Zusetzen von Hormonen und sonstigen Medikamenten ist in der Bio-Teichwirtschaft streng verboten.

Anders als in der Meeresfischzucht in intensiven Aquakulturen mit bis zu 25.000 kg Zuwachs je Hektar ist die Biofischwirtschaft im Waldviertel mit gerade mal 350 kg Zuwachs enorm extensiv. Als Obergrenze für den Fischbesatz sind maximal 500 Fische je Hektar vorgegeben. So ist jedem Fisch 20 Quadratmeter „Auslauf“ sicher. Alle Fische werden natürlich gezeugt, kein einziger Fisch wird aus dem Ausland zugekauft. Zurück bei den Fischbottichen schnappt sich Fischer-Ankern ein besonders prächtiges Exemplar: „Sehen Sie, anders als kurze, dicke Zuchtkarpfen mit hohem Rücken haben unsere Biokarpfen noch die typische Wildkarpfenform. Sie sind torpedoförmig, lang, schlank. Sie wachsen zwar langsamer und erlangen erst nach vier Jahren ihr ideales Gewicht von 2 bis 2,5 Kilogramm, dafür aber ohne Einsatz von Wachstumshormonen. Und das schmeckt man am Ende auch. Das Fleisch unserer Waldviertler Biokarpfen ist mager, zart und fest und hat keinen schlammigen Geschmack, den viele leider für typisch halten.“

Apropos schmecken. Begehrt sind die Biokarpfen damit auch bei ihren natürlichen Feinden: als Fischbrut von diversen Wasserkäfern und Raubfischen und als heranwachsende Karpfen von Fischottern, Reihern oder Kormoranen. Allein bis zu 200 im Waldviertel lebende Otter begeben sich auch in den Teichen der Familie Fischer-Ankern auf Beutefang. „Aber so ist die Natur. Und nicht nur, weil es ohnehin nicht erlaubt ist, es macht auch keinen Sinn, all diese natürlichen Feinde zu bekämpfen. Dafür züchten wir ja die Fische“, gibt sich der Fischexperte milde - auch wenn die geschützten Fischräuber seinen Fang oft ziemlich dezimieren. Über den weiteren Weg der Biokarpfen zu den Ja! Natürlich-Konsumenten berichte ich morgen.

Biokarpfen aus heimischen Gewässern

Frischer Karpfen aus heimischen Gewässern galt lange Zeit als klassische Fastenspeise und natürlich als Festessen am Weihnachtsabend. Im Waldviertel, einer der wichtigsten Bioregionen für „Ja! Natürlich“, hat die Karpfenzucht seit dem Mittelalter Tradition. Seit einigen Jahren gibt es nun Karpfen in bester Bio-Qualität. Und zunehmend gefragt sind Karpfenfilets, die sich einfach zubereiten lassen. Ende Oktober werden alljährlich die Teiche leer gefischt. So auch bei unserem Biokarpfenzüchter Peter Fischer-Ankern in Kirchberg/Walde nahe Gmünd, dem ich heuer beim Fischzug auf einem seiner Teiche über die Schultern geschaut habe.

Es ist noch ziemlich kalt, als ich am frühen Vormittag in den Feldweg einbiege, der zum Mitterteich nahe dem Markt Hoheneich führt. Die Erdäpfel- und Getreideäcker rundum sind längst abgeerntet. Erste Morgenfröste haben das Laub der Bäume gelb-rot-bräunlich verfärbt, ebenso wie das Gras der Wiesen. Eine feine, feuchte Nebeldecke liegt über der idyllischen Herbstszenerie.

Hinter einem verdorrten Schilfgürtel, in dunklem Braun, erscheint der Fischteich. Einige Tage vor meinem Besuch hat der Fischmeister den Schuber geöffnet und das Wasser abgelassen. Übrig geblieben ist nur noch ein schmales Rinnsaal Restwasser. Rund um den Wasserablauf herrscht bereits reges Getümmel. In grünen Fischerhosen, mit schweren Gummistiefeln und dicken Pullovern und Wetterjacken bekleidet, drängen sich knapp zwei Dutzend Mitarbeiter und Helfer um die brodelnde Lacke. Daneben steht Peter Fischer-Ankern, Schlossherr, Gutsbesitzer und Patron über 26  Teiche mit insgesamt 175 Hektar Wasserfläche. „Sie kommen gerade richtig“, ruft er mir schon von weitem zu: „So sieht es aus, wenn im Waldviertel ‚die Teiche kochen’!“

Seit dem frühen Morgen ziehen die Teicharbeiter ihre Zugnetze durch die „Fischgrube“ und holen mit großen Keschern den wild zappelnden Fang aus dem dunklen Nass. Nicht nur bis zu 2,5 kg schwere Karpfen, auch Welse, Zander, Hechte, Rotaugen, Weißfische und Barsche werden so eingefangen und am Ufer - je nach Fischart selektiert- sofort in breite Bottiche  verfrachtet. Dabei muss alles ziemlich schnell gehen: Die Karpfen werden gewogen und kommen je nach Gewicht in verschiedene verschließbare Behälter, die zum raschen Abtransport auf Traktoranhängern bereit stehen. Kleine, noch nicht ausgewachsene Fische kommen später zurück in tiefe Teiche, wo sie überwintern. Die fertigen Speisefische dagegen kommen in eigene Hälterungsanlagen und werden später verkauft.

Die Stimmung unter den Fischern ist trotz Kälte und Nässe erstaunlich gut und nimmt schlagartig noch einmal zu, als sich plötzlich die Sonne über dem sich lichtenden Nebel zeigt. „Das Teichabfischen wird bei uns noch wie ein Fest gefeiert“, erzählt Peter Fischer-Ankern und reicht mir zur Begrüßung einen Becher heißen Tee. Würstel, Gebäck, Strudel und Kuchen gibt’s ebenfalls für die hart arbeitenden Männer und Frauen am glitschigen Teichgrund.

Die Familie Fischer-Ankern lebt seit 1860 auf Schloss Kirchberg, einer barocken Anlage mit angeschlossener Guts- und Forstverwaltung. Seit 2006 ist der Gutshof mit all seinen Fischgewässern ein anerkannter Biobetrieb. Peter Fischer-Ankern ist Absolvent der Universität für Bodenkultur in Wien und führt zudem den Doktortitel. In Sachen Fischzucht macht ihm keiner was vor. Noch ein kurzer Blick in die vollen Fischbehälter, dann gibt er dem Traktorfahrer ein Zeichen zum Abtransport, winkt das nächste Gespann heran und schlendert dann mit mir den Teichweg entlang, um mir die vielen Besonderheiten der Bioteichwirtschaft zu erläutern. Mehr darüber erfahren Sie morgen im nächsten Teil meines Weblog.


     
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