
Viele Biobauern entdecken zunehmend das Internet für sich und ihre Produkte.
Unser Biobauern-Weblog hat sehr früh und vor vielen anderen damit begonnen, Konsumenten und andere Interessierte über die Arbeit der Menschen zu informieren, die hinter den Bio-Produkten stehen.
Deshalb hat das ORF-Team von „Land und Leute“ mich bei meinem Besuch beim Gemüse-Bauern Leopold Pischinger begleitet und auch über unseren Weblog berichtet.
Auf der Videoplattform youtube findet sich der Beitrag übrigens auch - für all diejenigen, die ihn nicht gesehen haben.
Bei dem Besuch bei Herrn Pischinger hat unser Video-Team dieses Video aufgenommen:
Hier haben wir das Interview mit dem Bio-Gemüse-Bauern Pischinger für Sie bereit gestellt.
Watzelsdorf liegt nahe Retz im nördlichen Weinviertel. Leopold und Franziska erwarteten uns bereits in ihrem schmucken Hof. Dort wähnte ich mich plötzlich in einer längst vergessenen Welt. Im Hof holprig verlegte Pflastersteine, verwitterte Holzfenster, ein besonders schöner Mauerverputz mit buntem Zierrat. Daneben Schatten spendende Bäume, wild wuchernde Blumen, Kräuter — eine ungeahnte Idylle, fast wie im Freilichtmuseum.

Die Pischingers sind Urgesteine in Österreichs Bio-Szene. Schon Ende der 1970er Jahre hat sich das Geschwisterpaar der organischen Wirtschaftsweise verschrieben. Seit 1986 sind sie anerkannte Biobauern. Sie säen Kamut-Urweizen, Saflor-Disteln, Sojabohnen und Ölkürbis, Artischocken, Andenbeere, Amarant oder „Inkakorn“, Topinambur, einst auch als „Erdbirne“ bezeichnet, und für „Ja! Natürlich“ Zucchini (gelb und grün) und dreierlei Speisekürbis. Agrarische High-tech gibt es nicht am Hof. Fast alle Feldarbeit wird vom Maschinenring gemacht. Auf den Feldern arbeiten so immer die effizientesten Maschinen.

Ich begleitete Leopold und Franziska über den Hof. Im ehemaligen Pferdestall lagern noch immer Speisekürbisse aus dem Vorjahr. Schön gekühlt wirken sie wie frisch vom Feld. Ich bat die beiden, mir kurz aus ihrer täglichen Arbeit zu erzählen. Beide sind früh auf den Beinen und gehen aufs Feld. In der Mittagshitze machen sie Pause im schattigen Hof. Erst wenn es nachmittags wieder erträglich wird, geht’s wieder hinaus auf den Acker. Der ist dunkel, fast schwarz seine Erde - klassischer „Tschernosem“. Wegen der reinen Humusschicht bis in einen Meter Tiefe braucht Leopold keinen Dünger. Nicht einmal Steinmehl oder Kompost muss er hier streuen.

Achten muss er einzig auf den Fruchtwechsel. Er erzählte mir, dass man genau beachten müsse, welche Pflanzen die besten Bedingungen für nachfolgende Kulturen bewirken.
Daher würden für ihn Sojabohne und Erbsen zu den wichtigsten Pflanzen zählen. An deren Wurzeln hingen Knöllchenbakterien. Diese würden den Stickstoff aus der Luft binden und den Boden damit anreichern. Jene Pflanzenteile, die nicht genutzt werden, würden im Herbst eingeackert. So gibt der Biobauer dem Boden wichtige Wachstumsstoffe zurück.
Leopold besitzt auch eine „Wundermaschine“: die „Fingerhacke“. Dieses Gerät hängt er an seinen alten Traktor. Fingersterne aus elastischem Kunststoff greifen mittels Bodenantrieb direkt in die Pflanzenreihen und reißen die nicht erwünschten Beikräuter aus dem Ackerboden.
Und die Pflanzenkrankheiten? Sie säen nur virustolerante Sorten. Sonst lässt man hier „der Natur ihren Lauf.“ Auch Mehltau wird nicht bekämpft. Das reguliert die Natur von selbst.
Heute besuche ich einen unserer Biogemüse-Produzenten, Leopold Pischinger, im Retzer Land. Gemeinsam mit seiner Schwester Franziska liefert er grüne und gelbe Zucchini und demnächst auch wieder schmackhafte Speisekürbisse erntefrisch an Ja! Natürlich. Was das Geschwisterpaar aus dem nördlichen Weinviertel sonst noch alles in ihrem Repertoire hat und wie man auch ohne Dünger ein hervorragendes Ernte-Ergebnis erzielen kann, werde ich Ihnen diese Woche berichten.
Weitere Infos: Alles zum Bio-Gemüse von Ja! Natürlich finden Sie hier!