
Diesmal hat unser Ja! Natürlich Film-Team Johann Kernstock auf seinem Bio-Bauernhof besucht und dieses Video gedreht.
Gelegt werden die Erdäpfel stets ab Mitte April. Einige Tage davor dezimieren Johann und Harald mit einer Eggen-Walzen-Kombination die ersten Unkräuter auf ihren Feldern. In den ersten Wochen nach der Aussaat der Setzlinge wird das Unkraut zwischen den Dämmen maschinell gehackt. „Wenn das Erdäpfelkraut aber einmal zehn Zentimeter hoch steht, fahre ich nicht mehr ins Feld”, sagt der Erdäpfelexperte. Um Krankheiten hintan zu halten, wählt der Biobauer jedes Jahr neu bewusst resistentes, zertifiziertes Biosaatgut. Nur 20 Prozent seiner Setzlingsknollen stammen aus eigener Produktion. Sein größter Feind ist der gelb-schwarz gestreifte Kartoffelkäfer. Ihm - oder vielmehr dessen gefräßige Larve - gilt ab Juni das Hauptaugenmerk. „Da muss man schon dahinter sein. Denn händisch ist dem Käfer nicht beizukommen. wer würde denn die zwanzig Hektar Anbaufläche abgehen. Da ist man auf verlorenem Posten”, schmunzelt Johann. Aus Erfahrung aber weiß der Biobauer: „Wenn am Nachbarfeld im Vorjahr Erdäpfel ausgesetzt wurden, ist der Druck größer.” Auch das wird im jährlichen Anbauplan berücksichtig. „Die Larven fressen das Kraut. Da stehen dann im schlimmsten Fall nur mehr die abgefressenen Stängel in die Höhe und das Knollenwachstum unter der Erde wird gestoppt.”
Dem Käfer selbst rückt Josef mit einer eigenen Maschine zu Leibe. „Da haben wir ein Absauggerät, den ‚Biokollektor’. Mit dem fängt man zwar die Käfer, aber oft leidet auch das Kraut unter dem Einsatz der Maschine. Wird später der Larvendruck zu hoch, greift der Biobauer zu biologischen Hilfsmitteln: Er verwendet in viel Wasser aufgelöstes „NeemAzal”, eine im Biolandbau verwendete Essenz mit einem natürlichen Wirkstoff aus den Kernen des tropischen Neem-Baumes. Dieser Wirkstoff dringt in die Blätter ein und wird von Schädlingen durch ihre Saug- bzw. Fraßtätigkeit aufgenommen. Nicht nur die Larven des Kartoffelkäfers, auch Blattläuse, Weiße Fliegen, Thripse, Miniermotten oder Spinnmilben lassen sich damit bekämpfen. Sie stellen ihre Nahrungsaufnahme ein. Nach einigen Tagen können sie sich nicht mehr entwickeln und vermehren. Und anders als früher, als er noch massiv Stickstoff auf die Felder ausgebracht hat, habe er heute keine Probleme mehr mit der Kartoffelfäule, sagt Johann. Pflanzenkrankheiten kommen zwar vor, sind aber kein großes Thema. Treten diese etwa bei feucht-warmer Witterung auf, gilt es, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um das Kraut nicht zu früh abzuschlagen, damit unterirdisch die Knollen möglichst lange wachsen und die Viren nicht bis in die Knollen durchdringen. „Aber da sollten halt schon ordentliche Erdäpfel drin sein im Boden. Weil das Wachstum ist dann aus”, meint Johann. Gedüngt wird außer Kalk, der in den Böden des Waldviertels kaum vorkommt, nicht. Auch kein Stallmist. „Ich baue zwischendurch Klee an, der reichert mir den Boden mit genügend Stickstoff an, so dass später auch die Erdäpfel bestens wachsen.” Generell verzichten die Bioerdäpfelbauern wie die Spitzen-Winzer bewusst auf Höchsterträge. Auf Biofeldern werden im Schnitt nur halb soviel Erdäpfel geerntet wie auf konventionellen Flächen. Gentechnik ist ebenso tabu wie die bei konventionellen Kartoffeln angewandte Begasung mit Keimhemmungsmitteln.
Während Sohn Harald nach der Jausenpause den Vollernter weiter über das Feld steuert, fahre ich als Beifahrer am zweiten Traktor mit Vater Johann die bis oben hin angefüllten „Erpfelkisten” zurück auf den Bauernhof. Wie die Bioerdäpfel der Kernstocks von dort zu den Ja! Natürlich-Kunden kommen, darüber mehr in meinem morgigen Beitrag.
Noch ist das Erdäpfellager am Bauernhof von Johann Kernstock nur spärlich gefüllt. Die meisten der in den vergangenen Tagen gerodete Bio-Speckigen der Sorte Nicola wurden bereits an die Erzeugerorganisation Marchfeldgemüse in Raasdorf geliefert, von wo sie gewaschen und in 1,5 kg-Säcke abgepackt zu Ja! Natürlich kommen. Von dort geht’s direkt in die Regale von Billa und Merkur. Bei der Vermarktung seiner Knollen vertraut Johann Kernstock auf Johann Ackerl. Der ist auch Biobauer in Weikertschlag, Ja! Natürlich-Pionier und zudem Chef der Firma „Pur Bioprodukte-VertriebsgmbH” in Raabs/Thaya. 2003 gründete Ackerl mit dreizehn Biobauern die Vertriebsfirma. Mittlerweile zählt man 150 Biolieferanten, darunter auch Kernstock. Pur vermittelt die Bioprodukte - neben Bioerdäpfel auch Biogetreide und vieles mehr - zu den Abpackbetrieben. Johann Ackerl weiß: Während der Absatz konventioneller Kartoffel stark rückgängig ist, boomen die Bioerdäpfel. Kein Wunder: Der Verzicht auf Agrarchemie und Höchsterträge sorgt eben für sortentypischen Geschmack und Top-Qualität.
Auch Biobauer Kernstock schwört auf den Bio-Geschmack seiner Erdäpfel: „Die schmecken ganz anders, intensiver, nicht so wässrig. Unsere Sorten Ditta und Nicola sind rund, kräftig, haben eine zarte Schale und einen festen Kern. Eben Bioerdäpfel mit bester Qualität. Nur wenn die Knolle schön gelb ist, passt es. Aber wenn sie blau oder schwarz oder gar innen hohl sind, dann ist das schlecht.” Sind die Knollen einmal im Lager, so kann eigentlich kaum noch etwas schief gehen. Für die erforderliche Kühle öffnet der Bauer abends die Luken, damit kalte Luft in die Halle dringt. An heißen Spätsommertagen wie heute bleiben die Tore dafür fest geschlossen.
800 t Erdäpfel in 360 großen Holzkisten lagern ab Herbst am Hof der Kernstocks und werden sukzessive je nach Bedarf bis ins nächste Frühjahr abgeholt. Alle Produktionsabläufe hat Biobauer Kernstock in seinem Büro genau dokumentiert - denn wie alle Biobauern wird auch er unangemeldet streng kontrolliert: von den unabhängigen Prüfern der Bio-Kontrollen, von der Agrarbehörde oder auch von seinen Vertragspartnern. Für Johann ist das aber keine Schikane: „Das muss halt so sein, sonst passiert ja allerhand und man findet die schwarzen Schafe nicht, die es leider auch gibt. Und die Sanktionen sind hart, wenn auf einem Biobetrieb gar ein unerlaubter Spritzmittelbehälter oder ein Kunstdüngersack gefunden würde und gehen neben Strafzahlungen bis hin zur Aberkennung des Biobauern-Status.
Kernstock dagegen ist Stolz auf die große Tafel am Hoftor, die seinen Bauernhof als Biobetrieb ausweist. Immerhin vier Bauern sind es alleine in seinem Dorf, die wieder rein biologisch wirtschaften. Und sein Sohn Harald arbeitet nebenbei nach Absolvierung der Landwirtschaftlichen Fachschule gerade an seiner Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister. Die Hofnachfolge ist damit sichergestellt. Und damit auch die weitere Belieferung von Ja! Natürlich mit besten Speckigen aus dem Waldviertel. Nachdem ich noch einige Proben von seinen Erdäpfeln - vom Acker als auch aus dem Lager - in meinem Auto verstaut habe, verabschiede ich mich von Johann. Denn am Feld wartet noch viel Arbeit auf ihn.
Das oft raue, kühle Waldviertel mit seiner noch unverfälschten Natur ist für Ja! Natürlich eine der wichtigsten Bioregionen Österreichs. Vom Start weg vor beinahe 15 Jahren ist es nicht nur eine unserer Kornkammern, sondern auch unser Bioerdäpfelland. Jetzt, im Spätsommer, beginnt die Ernte der „Waldviertler Speckigen”. So auch am Betrieb von Johann Kernstock nahe Raabs/Thaya, den ich dieser Tage besucht habe. Er hat sich trotz Ernte-Hektik Zeit genommen, mir alles Wesentliche über seine gesunden Knollen in bester Bio-Qualität und mit unvergleichlich gutem Geschmack zu erzählen.
Erdäpfelernte bei Familie Kernstock in Süßenbach: Mit gerade mal 2 bis 4 km/h Geschwindigkeit zieht der Traktor den Erdäpfelvollernter über den Acker. Am Steuer sitzt Johann Kernstock, auf der Maschine verlesen seine Frau Anneliese und eine Nachbarin die frisch aus der Scholle gerodeten Knollen. Erdklumpen, Steine, zu kleine, angeschlagene oder aus anderen Gründen nicht erwünschte Kartoffeln werden ausgesondert, bevor die reifen Erdäpfel in großen Holzkisten verstaut und von Sohn Harald ins hofeigene Lager gebracht werden. Seit Mitte August bringt Biobauer Johann, 52, die festkochende Sorte „Nicola”, hervorragend geeignet für Salate, ein. Bis Anfang Oktober herrscht jetzt am Bauernhof der Kernstocks Hochbetrieb. Passt das Wetter, werden entweder die Erdäpfel vom Acker geholt oder das Wintergetreide für die nächste Ernte gesät.
Insgesamt 20 Hektar Bioerdäpfel baut der Landwirt auf seinem Betrieb und teils auf Feldern anderer Biobauern an. Überwiegend Speiseware, neuerdings auch wieder Biostärkekartoffeln für die Industrie. Rein biologisch wirtschaftet er seit acht Jahren. Ich frage Johann, was für ihn der Hauptgrund für den Umstieg war? „Weil ich trotz dem vielen Spritzen und Streuen keinen Erfolg mehr gesehen habe.” Unter dem enormen Chemieeinsatz litt immer öfter auch die Lagerfähigkeit seiner Ackerfrüchte. „Und wirkli g’schmeckt hob’n de Erpfel a nimmer”, gibt er im breiten Dialekt offenherzig zu.
Außerdem bekommt er nun wieder mehr Geld für seine Produkte, sagt Johann, als er mit mir über seine Felder streift. Vor uns harren unter den erdigen Dämmen die „Speckigen” der Sorte „Ditta” auf die Rodung. Unsere „Mehligen” von Ja! Natürlich, das sei hier angemerkt, kommen übrigens aus dem Weinviertel. Bereut hat Johann den Bio-Umstieg bisher keine Sekunde: „Es läuft bis jetzt eigentlich recht gut. Das einzige Problem, mit dem wir manchmal zu kämpfen haben, ist der Kartoffelkäfer.” Wie er diesem gefürchteten Schädling Herr wird und was er sonst noch so anstellt, um jedes Jahr beste Qualitätserdäpfel zu bekommen, das verrät uns Johann morgen.