
Jorge Sanchez ist mit mir in die Packstation der Ananas gefahren. Alles hier ist hygienisch einwandfrei! Wir müssen unsere Uhren und den Schmuck ablegen, ich bekomme einen weißen Mantel und eine Haube aufgesetzt, bevor es für alle heißt: Hände waschen! Daneben wird alles genau dokumentiert. Auf den modernen Obstpackmaschinen werden die frischen Früchte, zwischen 600 g und bis zu 2 kg schwer, gerade sortiert und für den Versand nach Europa vorbereitet. Jede einzelne Ananas wurde zuvor von Hand geerntet. Dabei darf sie nicht fallen gelassen werden.

Nach dem Waschen werden die Bio-Ananas noch mit völlig natürlichem Wachs (ohne Fungizide!) benetzt und anschließend sorgsam in Pappkartons verstaut. Dann geht’s ab ins 7° C kühle Lager. Ab nun wird die Kühltemperatur laufend kontrolliert und aufgezeichnet, auch während des gut siebenstündigen Transports per LKW bis zum Hafen in Limon. Von dort geht’s per Schiff zwei Wochen lang nach Rotterdam und anschließend wieder mit dem Kühl-LKW nach Österreich.

Über all dem wachen — neben den Technikern und Inspektoren von Proagroin - auch die Vertreter der „Fairtrade Labelling Organization“ (FLO). Egal, ob es den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel oder die sozialen Standards betrifft, die FLO-Mitarbeiter kontrollieren alles: Von den strengen Bio-Auflagen über die Einhaltung des Arbeiterschutzes auf den Feldern bis zur gerechten Entlohnung der Erntehelfer. Außerdem betreibt FLO in der Ortschaft Pital verschiedene Sozialprojekte, beginnend bei den Schulen für Kinder bis hin zur Unterstützung eines Altenheimes.
Der Anbau der Bio-Ananas von den Mitgliedern der Asoproagroin ist übrigens auch EUREP-GAP-zertifiziert: Die Produzenten unterliegen also den gleichen strengen Auflagen in Sachen Produktion und Sozialwesen wie Obst- und Gemüseproduzenten in Europa.

Das Resümee meiner Reise: Beste Qualität, noch dazu aus rein biologischer Produktion, ist nicht leicht zu erreichen, aber mit konsequenter Arbeit absolut möglich. Costa Rica ist ein wichtiger Spieler am Ananas-Markt geworden. Immerhin stellt das Land mit einem weltweiten Produktionsanteil von weniger als drei Prozent fast ein Drittel des weltweiten Exportmarktes.
Eines hat mein Trip nach Costa Rica jedenfalls klar gezeigt: Biologisch erzeugte UND fair gehandelte Ananas sind eine ideale Kombination. Die Biobauern aus dem Umland von St. Cecilia haben durch die Zusammenarbeit mit Proagroin — und somit letztendlich mit Ja! Natürlich — deutlich verbesserte Bedingungen bekommen, zusätzlich ist ihre Abhängigkeit von großen multinationalen Fruchtkonzernen gesunken.
Produktinfos: Alles zu den Bio-Ananas von Ja! Natürlich finden Sie hier!
Vielen Ananas-Liebhabern in Europa ist durch Berichte über umweltschädliche Produktionsmethoden der Appetit vergangen. Dass es in Costa Rica auch anders geht, zeigen mir Juan, Victor und Abraham auf eindrucksvolle Weise. Sie haben ihre Bio-Ananasfelder vorab mit rein mechanischen Maßnahmen von unerwünschten Pflanzen befreit, später Dämme gezogen, darauf Plastikfolien gelegt und die Stecklinge gepflanzt. Von Herbiziden und Pestiziden keine Spur.
Die Folie verhindert in der ersten Wachstumsphase der Ananas weitere Verunkrautung und wird später wiederverwertet. Hauptfeinde der Ananas sind Wurzelschädlinge und Insekten sowie Pilzkrankheiten und Fäulnis. Diesen rückt man einerseits mit biologischen Ölen — etwa aus dem Saft von Neembäumen und Pheromonfallen — zu Leibe, andererseits werden tiefere Gräben zwischen den Reihen gezogen, um keine Staunässe entstehen zu lassen.

Die Ja! Natürlich-Bauern zeigen mir ihre Felder. Hier treffe ich auch den Holländer Gert-Jan Lieffering. Er ist Produkt-Manager für Exotische Früchte des Fairtrade- und Biofrüchtehändlers Agrofair im niederländischen Barendrecht. Währenddessen werden einige Flächen mit kleinen Macheten beerntet, Dutzende Früchte leuchten mir entgegen.
Die Ananas, die zur Familie der Bromeliaceae gehört, besteht aus einer Blattrosette mit langen, spitzen und scharfen Blättern. Gedüngt werden die sonst recht anspruchlosen Pflanzen etwa alle zwei Wochen mit Algenextrakten, Kalk und Magnesium, wobei die Pflanzen den Dünger nicht über ihre nur sehr schwachen Wurzeln, sondern über die Blätter aufnehmen. Die Krone der Ananas, also die Blätter, ist aber nur Zierde und hat auf die Qualität der Frucht keinen Einfluss.
Nach rund einem Jahr wächst aus der Mitte eine dicke Blütenachse mit eng beieinander liegenden Blüten, aus denen sich ohne Bestäubung samenlose Beeren entwickeln, die zu einem fleischigen Fruchtverband zusammenwachsen. Die einzelnen Blüten bilden am Ende die 5 bis 6-eckigen Schalensegmente der Ananas.

„Bei der Ernte“, weiß Jorge, „muss die Ananas ca. 14 Grad Brix aufweisen.“ Das ist ein wichtiger Messwert für den Zuckergehalt der Frucht. „Die Frucht reift von unten nach oben, wobei sich die Farbe des Fruchtfleisches von hellgelb auf transparent gelb ändert.“ Die äußere Färbung der Ananas sagt aber nicht über ihren Reifezustand aus, erzählen die Produzenten: „Bio-Ananas sind meist grüner als konventionelle Früchte, die schon am Feld mit einem chemischen Wachstumsförderer behandelt werden, um die Gelbfärbung zu beschleunigen.“ Gert-Jan weist die Produzenten darauf hin, dass die Früchte für die Märkte in Europa nicht zu groß sein sollten: „Zwei Kilogramm schwere Ananas verkaufen sich in den immer kleiner werdenden Haushalten nicht so gut“.

Morgen berichte ich darüber, wie die frisch geernteten Früchte für den Transport nach Europa sorgsam vorbereitet werden.
Mehr als 15 Stunden reine Flugzeit dauerte die Anreise via Madrid in die Hauptstadt von Costa Rica, San Jose. Das kleine Tropenland in Mittelamerika ist sehr gebirgig, hat viele - auch aktive — Vulkane und ist seit jeher bekannt für den Anbau von Bananen und Kaffee. In jüngster Zeit hat dort auch die Ananasproduktion stark zugenommen. Am Airport werde ich bereits von Jorge Sanchez erwartet. Er ist Geschäftsführer der „Proagroin Foundation“ (www.proagroin.org), einer Vertriebsorganisation von fair gehandelten Agrarprodukten.

Auf der gut sechsstündigen Autofahrt nach Santa Cecilia erzählt mir Jorge, dass zu den 225 Mitgliedern der Bauernvereinigung „Asoproagroin“ neuerdings auch 18 Biofarmen gehören: „Das Projekt ist ganz neu. Bis vor kurzem hat Proagroin nur konventionell angebaute ‚Fair Trade’ Ananas angeboten.“
Die anfangs gut ausgebauten Straßen hier in den wirtschaftlich sehr armen Regionen Santa Cecilia und Upala im Norden des Landes werden immer schlechter. Vorbei an bescheidenen Dörfern geht es durch karges Tropenland mit kleinsten Feldern und vereinzelt Palmen und Gebüsch. Hie und da weiden Rinder zwischen extensiv bewirtschafteten Orangenhainen. Die “Ticos”, wie die Bevölkerung auch genannt wird, leben hier äußerst bescheiden.

Nach vielen Stunden Fahrt kommen wir endlich in St. Cecilia an. Hier treffe ich unsere Bio-Ananasbauern: Juan Jose Taleno Navarro, Victor Julio Perez und Abraham Ramirez Hidalgo. Die Begrüßung - mit frischem Ananassaft - fällt sehr herzlich aus. Juan mit rosa Hemd, weißem Panama-Hut und markantem Schnurrbart ist einer der Vorreiter: Er hat die ersten Bio-Fairtrade-Ananas für Proagroin produziert. Damit hat er schließlich auch Victor überzeugt. Dieser ist aber noch etwas nervös: Er ist erst seit kurzem Bio-Produzent, steht unmittelbar vor der ersten Ernte. Bis dato hatte er nur hohe Ausgaben für die Anlage seiner kleinen Plantage. Jetzt hofft er auf gute Qualität und schöne, große Früchte.

Beide, Juan und Victor, sind typische Vertreter der neuen Bioproduzenten. Sie bewirtschaften kleine Agrarbetriebe und hoffen nun mit ihren Bio-Ananas auf einen lukrativen Zuerwerb. Proagroin organisiere für sie den Verkauf der Früchte zu garantierten Preisen, erzählt mir Jorge. Dennoch ist das Risiko der Bauern groß: Die Anlage von einem Hektar Ananas kostet 20.000 US-Dollar, umgerechnet rund 12.600 Euro. Viel Geld, das sich nicht jeder hier leisten kann.

Das Kapital vor allem für neue, teure Stecklinge (bis zu 70.000 je Hektar) wurde ihnen zu ortsüblichen Zinsen von Proagroin geliehen. Die Rückzahlung soll nach der Ernte erfolgen. Die Bauern setzen auf die — vor allem in Europa — gestiegene Nachfrage nach Biofrüchten. Das hat auch Abraham zum Umstieg motiviert. Der Cowboyhut-Träger, Vater von sechs Kindern, besitzt immerhin 70 Hektar Land, hauptsächlich Weideland für seine Rinder. Vier Hektar Bio-Ananas haben er und drei seiner Söhne bereits ausgepflanzt. Damit, so Jorge Sanchez, kann ein Betrieb „mehr recht als schlecht“ ein Auskommen finden: „Darunter rechnet sich die Produktion dagegen kaum.“
Wie die rein biologische Produktion von Ananas funktioniert, berichte ich Ihnen morgen.
Saftig süße Ananas sind auch bei uns immer begehrter. In Österreich werden heute drei Mal mehr frische Ananas gegessen als noch vor zehn Jahren. Dieser Trend wird wohl auch in den nächsten Jahren anhalten.
Zuletzt gab es allerdings einige traurige Schlagzeilen um die gefragten Südfrüchte: Ihr Anbau in Mittelamerika gehe Hand in Hand mit Ausbeutung und gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen in den Plantagen, der massive Einsatz von chemischen Spritzmitteln zerstöre die Umwelt, das Obst sei mit Pestizid-Rückständen belastet.
Die REWE Group Austria hat prompt die hohen Produktionsstandards ihrer Lieferanten einmal mehr von unabhängigen Stellen überprüfen lassen. Und seit Ende Jänner führen Billa und Merkur frische „Ja! Natürlich“ Bio-Ananas, die den strengen Kriterien von Fair Trade entsprechen. Ich selbst habe mir vor Ort bei unseren Ananasproduzenten in Costa Rica ein Bild von den streng biologischen wie auch sozial fairen Produktionsbedingungen gemacht. Mehr über diese anstrengende, aber spannende „fact finding mission“ lesen Sie hier ab morgen.
Weitere Infos: Alles zu den Bio-Ananas von Ja! Natürlich finden Sie hier!