
Die jüngste Bestellung von mehreren Tonnen Erdäpfeln für die neue Lieferung an Ja! Natürlich hat Christine bereits bearbeitet. Saat-Erdäpfel sowie die Stupf- oder Steckzwiebeln für die Auspflanzung in den kommenden Wochen liegen längst bereits. Ehemann Gerhard ist gerade auf Erkundungstour über seine Felder. Noch ist es zu feucht, um mit dem Anbau von Getreide wie auch mit dem Aussetzen der kleinen Zwiebeln zu beginnen. Aber in den nächsten drei Woche bis rund um die Osterfeiertage geht es rund um den Frühjahrsanbau am Biohof der Michaelers wieder hoch her.
Die Verschnaufpause nützt die Biobäuerin für anfallende Büroarbeiten: Buchhaltung und Lohnverrechnung für Mitarbeiter am Hof gehören ebenso zu ihren Aufgaben wie etwa die Logistik-Abwicklung der Lagerhaltung. Die Vermarktung selbst koordiniert die Firma PUR in Waldviertel, langjähriger Partner von Ja! Natürlich. Gehen im Billa-Regal die Bioerdäpfel zur Neige oder bei Merkur die Biozwiebeln, dann kommt von PUR das Bestell-Fax für die neue Ware. Umgelegt auf Österreich-Dimensionen heißt das dann etwa für die Michaelers: 22 Tonnen Erdäpfel rasch aus dem Kühllager holen, in „handlichere“ Big-Packs (zu je einer Tonne) umladen, Steine, Erdklumpen oder faule Kartoffeln aussortieren und dann rasch ab damit in die „Erzeugerorganisation Marchfeldgemüse“, kurz EOM, nach Raasdorf. Dort werden die Knollen nochmals genau sortiert und in praktische 1,5 kg-Tragsäcke gefüllt.
„Mein Mann ist der Chef am Feld. Dafür sorge ich im Hintergrund dafür, dass alles läuft“, erzählt mir Christine während eines kurzen Aufenthaltes in ihrem Büro. Später, am Weg zur neuen Gemüselagerhalle, erfahre ich mehr über den Betrieb. Die Umstellung des Hofes im Jahr 1997 auf rein biologische Wirtschaftsweise wollten beide: „Wir wollten weg von den Spritzmitteln, einfach einen anderen Umgang mit der Natur pflegen. Und wir wollten als Hofübernehmer unseren eigenen Weg gehen.“ Die Schwiegereltern hätten zwar anfangs wenig Begeisterung gezeigt, mittlerweile hat das junge Paar aber auch sie überzeugt. Statt auf Agrarchemie und Kunstdünger setzen die Jungen heute auf Zwischenfrüchte, Stallmist oder Kompost, die den Boden mit natürlichen Nährstoffen anreichern und wichtige Bodenlebewesen wie Bakterien und Würmer fördern. Gezielt eingesetzte Maschinen wie Hacken oder Striegel verringern das Aufkommen von unerwünschten Beikräutern, die Gemüseernte erfolgt möglichst früh und schonend.
Gerhard ist Absolvent einer Landwirtschaftlichen Fachschule samt Gemüsebau-Meisterbrief, Christine hat eine Agro-HAK und später eine Fachhochschule für Wirtschaft mit Schwerpunkt Marketing besucht. Was unterscheidet nun ihre biologisch produzierten Erdäpfeln und Zwiebeln von konventioneller Ware? Dazu Christine: „In verschiedenen Studien wurde längst nachgewiesen, dass Biokartoffeln mehr Vitamine haben, auch mehr Mineralstoffe. Auch die Umwelt profitiert davon. Der Biolandbau fördert die Bodengesundheit, es gibt weniger Pestizide im Grundwasser. Wir haben einfach ein besseres Gefühl damit, weil wir wissen, dass wir wirklich gesunde Lebensmittel produzieren.“ Die Zufriedenheit mit ihrer Arbeit strahlt die junge Bäuerin auch aus.
Welche strengen Auflagen es auch für die Lagerung von Biogemüse zu beachten gibt, darüber berichte ich morgen.